Übergabeprozess (SDR → AE) beschreibt, wie ein qualifizierter Lead vom SDR (Sales Development) an den Account Executive übergeben wird, ohne dass Kontext verloren geht oder der Lead „abkühlt“.
Im B2B ist die Übergabe nicht nur ein CRM-Statuswechsel, sondern eine Mini-Staffelübergabe: Wenn sie sauber läuft, steigen Show-Rate, Gesprächsqualität und Abschlusswahrscheinlichkeit.

Warum der Übergabeprozess oft der stille Pipeline-Killer ist
Viele Teams optimieren Outreach, Sequenzen und Pitch. Und verlieren dann Deals in einem unspektakulären Moment: zwischen „Termin steht“ und „AE übernimmt“.
Typische Symptome:
- AE fragt im Call Dinge, die der SDR schon weiß.
- Lead fühlt sich nicht verstanden („Warum muss ich das nochmal erzählen?“).
- Der Follow-up kommt zu spät, der Lead ist gedanklich wieder raus.
Was eine gute SDR→AE-Übergabe enthält (Minimal-Standard)
Die Übergabe muss kurz sein, aber vollständig. Ein gutes Format passt in ein CRM-Notizfeld und ist in 60 Sekunden lesbar.
1) Kontext: warum jetzt?
- Trigger oder Anlass (z. B. Hiring, Prozessproblem, Tool-Wechsel)
- Was hat den Termin ausgelöst? (Antwort, Inbound, Referral)
2) Fit & Setup
- Firmengröße/Branche (nur das Relevante)
- Rolle(n) im Call, Seniorität, Buying-Center-Hinweise
3) Problem, Ziel, Erfolgskriterium
Was ist der Schmerz, was soll besser werden, woran würde der Kunde Erfolg messen?
4) Risiken & Einwände
Welche Einwände kamen schon? Was wirkt sensibel (Budget, Timing, interne Politik)?
5) Next Step & Erwartung
- Termin-Daten, Agenda-Frame
- Was erwartet der Lead im Gespräch?
Übergabeprozess als Ablauf: so sieht „sauber“ aus
- SDR qualifiziert und schreibt die Übergabe-Notiz (Template).
- AE bestätigt den Termin innerhalb einer festen Frist (z. B. 24h) und checkt offene Fragen.
- Vorbereitung: AE hat 2 bis 3 Hypothesen + 3 Fragen parat (kein „Erzähl mal“).
- Warm Handoff (wenn möglich): SDR stellt AE kurz vor (Mail oder 2-Min Call).
- Debrief: Nach dem Call kurzes Feedback an SDR (passt, passt nicht, next steps).
Was bedeutet das für dich konkret? Wenn du nur eine Sache umsetzt: Nutze ein fixes Übergabe-Template und mache es zur Pflicht, bevor ein Lead „SQL/Termin“ wird. Ohne Template keine Übergabe.
Warm Handoff vs. Cold Handoff
- Warm: SDR stellt AE aktiv vor, Kontext wird sichtbar, Vertrauen steigt.
- Cold: nur CRM-Notiz, AE übernimmt „aus dem Nichts“.
Warm Handoffs sind nicht immer möglich, aber ihr könnt sie für die wichtigsten Deals reservieren (z. B. A-Accounts).
Typische Fehler im Übergabeprozess
- Zu viel Text: Roman statt klare Bullet Points.
- Zu wenig Substanz: „Interessiert, will Demo“ ist keine Übergabe.
- Kein SLA: AE reagiert spät, Lead kühlt ab.
- Kein Feedback: SDR lernt nicht, was gute Termine sind.
Kurzfazit
- Übergabe ist eine Staffelübergabe, nicht nur ein CRM-Klick.
- Ein kurzes Template (Kontext, Fit, Problem, Risiken, Next Step) reicht und wirkt.
- Mit SLA + Feedbackloop wird die Übergabe jedes Monat besser.
FAQ
Wer ist verantwortlich für eine gute Übergabe?
Beide. SDR liefert Kontext, AE bestätigt und macht den nächsten Schritt verbindlich. Ohne klare Rollen ist es immer „niemand“.
Wie lang darf eine Übergabe-Notiz sein?
So kurz wie möglich, so lang wie nötig. Praktisch: 6 bis 10 Bullet Points, keine Story.
Wann lohnt sich ein Warm Handoff?
Bei hohen Dealgrößen, strategischen Accounts oder wenn Vertrauen/Komplexität hoch ist. Sonst reicht ein starker Standardprozess.
Übergabe-Template (Copy & Paste)
Wenn du ein Template willst, das in der Praxis funktioniert, halte es so knapp, dass es wirklich genutzt wird. Dieses Format kannst du 1:1 ins CRM übernehmen:
- Kontext: Warum jetzt? (Trigger, Anlass, Inbound/Outbound)
- Rolle(n): Wer ist im Call, wer entscheidet wirklich?
- Problem: Was läuft heute schief, was kostet es?
- Ziel: Was soll in 30 bis 90 Tagen besser sein?
- Einwände/Risiken: Budget, Timing, interne Politik, Wettbewerb
- Next Step: Termin + gewünschtes Ergebnis des Calls
Das klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen „AE startet bei Null“ und „AE startet bei 70%“.
Weiterführend: Leads · Leadgenerierung im B2B · Neukundenakquise im B2B · Outbound-Vertrieb neu gedacht · Pipeline-Phasen